Tauchbasis El Quseir von Extra Divers

Dieser Beitrag wurde mir freundlicherweise von  Sue Morgenegg für die Veröffentlichung im Reisenblog zur Verfügung gestellt. Sue Morgenegg ist eine leidenschaftliche Fotografin und liebt Reisen, Tauchen und Tiere. Für weitere Einblicke in ihre Tätigkeit besuchen Sie einfach ihre Seite suephotography.ch

1995 war ich zum ersten Mal im Hotel Mövenpick in El Quseir und genoss Tauchgänge am wunderschönen, in einer Bucht beim Hotel gelegenen Hausriff. Nach einigen Jahren Unterbruch besuche ich diese Symbiose von Hotel (welches wie ein kleines ägyptisches Dorf wirkt) und Bucht seit 2010 wenn irgendwie möglich jährlich für mindestens eine Woche und geniesse das relaxte und abwechslungsreiche Tauchen am immer noch sehr schönen und gut erhaltenen Riff.




Im Rahmen meines Fotografiestudiums 2018 beschloss ich, eine Reportage über die mir so vertraute und lieb gewonnene eingemietete Tauchbasis zu realisieren.

Die Basis wird durch Extra Divers betrieben und seit rund sechs Jahren vom Schweizer Marc Hügi geführt. Sie liegt in der Bucht El Quadim (die Alte), wo sich einer der älteste Handelshäfen Ägyptens befand. Davon zeugen auch Ausgrabungen gleich über die Strasse, welche 1200 Jahre alte Amphoren und römische Ruinen zutage brachten.

Die Bucht selber ist für die Tauchbasis ein Juwel, auf dessen Erhaltung viel Wert gelegt wird. So ist die Zahl der erlaubten Taucher in der Bucht zum Schutz des Riffs in der Hochsaison (März/April/Mai und September/Oktober/November) auf 120/Tag und in den anderen Monaten auf 100/Tag limitiert. Das Riff wird alle zwei Jahre durch Meeresbiologen geprüft. Die Resultate sind bis heute immer sehr positiv ausgefallen.

Zudem wurde auch ein künstliches Riff angelegt, welches sich langsam aber sicher immer besser entwickelt.

In dieser Bucht findet man ein vielfältiges marines Leben mit zum Teil seltenen Lebewesen und hoher Biodiversität. Sie wird oft von Delfinen, aber auch ab und zu von Walhaien und Mantas besucht. Ich selber durfte schon zweimal erleben, wie uns Delfine bei unserem Tauchgang auf einer Tiefe von ca. 22 m „besuchten“ und in Formation auf uns zu schwammen, uns umkreisten, verschwanden und nach kurzer Zeit zurück kehrten.

Im November 2019 werden Science Days mit einem Meeresbiologen und einem archäologischen Forschungstaucher durchgeführt. Dabei können speziell geführte Tauchgänge gebucht werden. Zudem werden kostenlose Vorträge zu den Themen Umweltschutz, Meeresbiologie und Geschichte für alle Gäste angeboten.

Bei meiner Reportage geht es mir aber auch darum, den Betrieb einer Tauchbasis aufzuzeigen und auch mal hinter die Kulissen zu schauen.

Zum Betrieb einer Tauchbasis sind als erstes die behördlichen Hürden zu überwinden. Mit der generellen Bewilligung allein ist es nicht getan. Für jeden Taucher muss eine Genehmigung eingeholt werden. Dies ist der Grund, weshalb man jeweils beim Einchecken eine Passkopie einreichen muss. Nachttauchgänge bedürfen noch einer zusätzlichen Bewilligung.

Die Küstenwache sitzt gleich neben dem Resort, so dass der Weg nicht weit und die Kontrollen dadurch häufig sind. Für den Verkehr mit den Behörden ist ein ägyptischer Mitarbeiter zuständig, was die Sache vereinfacht.

Neben einer guten Infrastruktur, wie klare Zuordnung von nummerierten und abschliessbaren Boxen für das Equipment, angeschriebene Bügel zum Aufhängen von Anzügen und Westen in einem separaten Raum, genügend und gut unterhaltenes Mietmaterial von guter Qualität, genügend Flaschen mit ausgezeichneter Luftqualität ist das Personal der wichtigste Faktor zum Erfolg. Dies ist sich Extra Divers bewusst und es wird danach gelebt. Das Unternehmen handelt sehr sozial: so wurde auch in den schlechten Jahren niemand entlassen. Die Mitarbeiter erhielten ein volles Gehalt, mussten einzig allenfalls Ferientage zum voraus beziehen. Mitarbeiter, welche Probleme haben, den angestammten Job weiter auszuführen, werden anders eingesetzt. So das Beispiel eines Tauchguides, welcher infolge Rückenproblemen nicht mehr als Guide arbeiten kann. Er hilft nun im administrativen Bereich und beim Empfang. Dies alles führt dazu, dass alle Posten mit sehr qualifizierten und erfahrenen Personen besetzt sind und die Tauchbasis einen sehr hohen Standard aufweist.

Marc Hügi ist Basisleiter mit Leib und Seele. Er war auch vorher schon in Ägypten tätig und verfügt über das notwendige Fingerspitzengefühl für eine erfolgreiche Führung. Er kann sich in seine Mitarbeiter einfühlen bzw. weiss wie sie denken. Auch gegenüber den Gästen ist ihm eine persönliche Betreuung sehr wichtig. Es gibt jeden Tag Probleme zu lösen, welchen er sich oft persönlich annimmt.

Die Basis verfügt über zehn Dive Masters, acht Tauchlehrer und acht Jettyhelfer. Die restlichen 36 Mitarbeiter verteilen sich auf Minibus-Fahrer, Bootsführer, Mitarbeiter am Kompressor sowie Mitarbeiter im administrativen Bereich (Büro, Empfang, Tourenplanung).

Es werden SSI-, PADI- und CMAS-Ausbildungen angeboten.

Sicherheit wird gross geschrieben, weshalb jeder Taucher als erstes einen Welcome-Dive absolvieren muss, bei welchem die üblichen Übungen zu absolvieren sind. Nach diesem Tauchgang wird er entsprechend seinem Können eingestuft. Am Schlüsselbrett wird hinter dem Schlüssel zu seiner Equipment-Box ein farbiges Schildchen gehängt. So ist bei Schlüsselabgabe auf einen Blick ersichtlich, zu was ein Taucher befugt ist.

Nitrox wird Tauchern mit entsprechendem Brevet ohne Aufpreis abgegeben. Der Taucher kann je nach seinem Luftverbrauch zwischen 12 und 15 Liter Flaschen wählen.

Im Kopmpressorraum stehen zwei Geräte eines für „normalen“ Sauerstoff und eines für Nitrox. In 45 Minuten können zehn Nitroxflaschen gefüllt werden. Alle drei Monate erfolgt eine behördliche Luftkontrolle. Die Kompressor-Filter werden regelmässig ersetzt, was der Kontrollbehörde zu belegen ist.

Auch dem Materialunterhalt wird grosse Bedeutung zugemessen. Die Flaschen werden jährlich visuell und alle drei Jahre hydrostatisch geprüft. An den Lungenautomaten erfolgt mindestens einmal jährlich ein kompletter Service.

Am Hausriff kann vom Steg geführt in Gruppen, je nach Können und Erfahrung auch unguided zu zweit oder mit entsprechender Ausbildung und unter speziellen Konditionen sogar als Solo

Diver getaucht werden. Man kann sich auch gegen ein kleines Entgelt mit dem Zodiac hinausfahren lassen und dann gemütlich dem Riff entlang zurück tauchen. Daneben werden auch täglich Trips mit dem Speedboat oder dem Minibus und mehrmals wöchentlich Tagestouren mit zwei grossen Tauchbooten von Port Ghalib aus angeboten.

Zudem besteht an vier Abenden die Möglichkeit für Nachttauchgänge. Frühaufsteher können zweimal wöchentlich die Ruhe beim Early Morning Dive geniessen.

Wer etwas Spezielles erleben möchte, kann mit einem Guide die Höhlen im Hausriff erforschen oder nachts mit gelber Scheibe vor der Maske und blauem Licht die fluoreszierende Wunderwelt der Korallen geniessen.

Vieles des vorerwähnten geschieht im Hintergrund und der Taucher bekommt nicht viel davon mit. Für ihn ist nur wichtig, dass alles reibungslos funktioniert und er seinen Tauchurlaub geniessen kann. Dafür sorgen Marc Hügi und sein Team mit Herzblut und Engagement.

Text und Bilder unterliegen dem © Sue Morgenegg 

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